450 Jahre Zweites Helvetisches Bekenntnis

Der reformierte Theologe Matthias Freudenberg machte in seinem Festvortrag auch auf die ökumenische Dimension des Zweiten Helvetischen Bekenntnisses aufmerksam. Foto: Harald Kluge
Der reformierte Theologe Matthias Freudenberg machte in seinem Festvortrag auch auf die ökumenische Dimension des Zweiten Helvetischen Bekenntnisses aufmerksam. Foto: Harald Kluge

Festveranstaltung in Wiener reformierter Stadtkirche

Wien (epdÖ) – Mit einem Festakt gedachte die Evangelische Kirche H.B. in Österreich des 450-jährigen Jubiläums des Zweiten Helvetischen Bekenntnisses. 1561 vom Schweizer Reformator Heinrich Bullinger für persönliche Zwecke verfasst, ist es 1566 in gedruckter Form erschienen. Heute ist es neben dem Heidelberger Katechismus die am meisten verbreitete Bekenntnisschrift der Reformierten Kirchen weltweit. Im Mittelpunkt der Veranstaltung am 27. September in der reformierten Stadtkirche in Wien stand ein Festvortrag von Professor Matthias Freudenberg (Saarbrücken).

„Durch das Bekennen werden Freiräume eröffnet, weil Bekenntnisse zum Reden über den Glauben einladen und dazu beitragen, dass Menschen dem Glauben auf die Spur gehen“, so Freudenberg bei seinem Vortrag. „Bekenntnisse reizen zur eigenen Stellungnahme.“ Insofern sei es auch heute noch lohnend, sich mit einer Bekenntnisschrift wie dem Zweiten Helvetischen Bekenntnis zu beschäftigen.

Freudenberg erinnerte daran, dass das Zweite Helvetische Bekenntnis zu einer Zeit verfasst wurde, als es um den Bestand der Reformierten Kirchen an sich ging. Als Friedrich III. (1515–1576), Pfalzgraf von Simmern-Sponheim und Kurfürst von der Pfalz, als Anhänger des reformierten Strangs der Reformation durch lutherische Landesfürsten immer mehr unter Druck kam, legte er 1566 beim Reichstag in Augsburg das Zweite Helvetische Bekenntnis vor. Friedrich III. und die Kurpfalz blieben daraufhin unbehelligt. Das Bekenntnis wurde in Folge in nahezu allen Reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz sowie in Genf, Schottland, Ungarn und auch – 1781 mit dem Toleranzpatent – in Österreich angenommen. „In Österreich mit der Besonderheit, dass das Bekenntnis namensgebend für die Kirche wurde“, betonte Freudenberg.

In seinem Vortrag machte der reformierte Theologe aus Saarbrücken auf die ökumenische Dimension des Bekenntnisses aufmerksam: „Die Kirchen sollen die Kirche Jesu Christi sein und sich dabei gegenseitig fördern. Die Kirchen sollen sich gegenseitig stärken und nicht behindern, so lässt sich das Bekenntnis heute aus ökumenischer Perspektive lesen“, sagte Freudenberg. In der Zeit der Glaubensspaltung handelte es sich beim Zweiten Helvetischen Bekenntnis um ein Dokument voller „Leidenschaft für Akzeptanz“. Heute könnten wir daraus folgern, dass die einzelnen Gemeinden auf die eine universale Gemeinde angewiesen sind. Damit gebe das Bekenntnis den Kirchen auch für die heutige Zeit Impulse. So habe etwa die Abendmahlslehre des Bekenntnisses die Abendmahlslehre der Leuenberger Konkordie mitgeprägt, wenn dort das Sakrament als ein „Geschenk für die Gläubigen“ bezeichnet werde. Aber auch die Idee eines Miteinanders der christlichen Kirchen in versöhnter Verschiedenheit sei bereits im Zweiten Helvetischen Bekenntnis formuliert worden. „Darüber hinaus wird im Bekenntnis betont, dass der Glaube aussagekräftig und sprachfähig sein soll. Hier wird der religionspädagogische beziehungsweise katechetische Aspekt angesprochen, und es zeigt einmal mehr, wie sehr Heinrich Bullinger Bildung schätzte“, erklärte Freudenberg.

Zu Beginn der Veranstaltung erinnerte Landessuperintendent Thomas Hennefeld an die zentrale Bedeutung des Zweiten Helvetischen Bekenntnisses für die Evangelische Kirche H.B. in Österreich. Das aktuelle Jubiläum solle aber nicht nur der Erinnerung dienen, so Hennefeld. „Wir wollen das Jubiläum zum Anlass nehmen, um uns auch zu überlegen, was uns das Zweite Helvetische Bekenntnis heute noch sagen kann.“ Der Landessuperintendent zeigte sich davon überrascht, dass in Deutschland das 450-jährige Bestehen des Bekenntnisses offiziell kaum gefeiert wird. Als Vertreter des Kultusamts überbrachte Ministerialrat Karl Schwarz Grußworte und erinnerte daran, dass die Konstituierung sowie die Namensgebung der Evangelischen Kirche H.B. genauso wie jene der Evangelischen Kirche A.B. auf das Toleranzpatent von 1781 zurückgehen.

Für die musikalische Umrahmung sorgte das „Le Style du Prince de Condé Ensemble für Alte Musik“ mit Musik aus dem Zyklus „Flucht und Vertreibung vor 480 Jahren“.

ISSN 2222-2464