310.000 Besucher bei der „Langen Nacht der Kirchen“

Zwischen Boden- und Neusiedlersee öffneten in der „Langen Nacht“ über 700 Gotteshäuser ihre Türen

Wien, (epd Ö) – Mehr als 310.000 Menschen – davon 130.000 alleine in Wien – haben nach Schätzungen der Veranstalter heuer die „Lange Nacht der Kirchen“ besucht. Das sind um rund 35.000 mehr Besucherinnen und Besucher als im letzten Jahr. Bundesweit standen am Freitagabend, 5. Juni, rund 700 Kirchen zwischen 18 und 1 Uhr früh offen und begeisterten Jung und Alt mit unterschiedlichsten Programmpunkten religiös-spiritueller, musikalischer und kultureller Art. Insgesamt wurden mehr als 3000 Einzelveranstaltungen bei freiem Eintritt angeboten und eifrig besucht. Die „Lange Nacht der Kirchen“ ist ein gemeinsames Projekt aller 14 christlichen Kirchen in Österreich (www.langenachtderkirchen.at).

Mit einem zehnminütigen Glockengeläut um 17.50 Uhr war die „Lange Nacht der Kirchen“ in der Bundeshauptstadt eingeleitet worden. In Wien konnten die Besucherinnen und Besucher der „Langen Nacht der Kirchen“ zwischen 157 offenen Gotteshäusern wählen. 1100 Angebote standen auf dem Programm.

Kardinal Christoph Schönborn diskutierte in der Kalvarienbergkirche in Wien-Hernals mit dem Politikwissenschaftler Anton Pelinka über das politische Engagement der Christen, die sich heute als „Kontrastgesellschaft in einer Mehrheitsgesellschaft“ neu definieren und dem „hedonistischen Individualismus“ entgegentreten sollen. Schönborn äußerte sich zudem besorgt, dass man während der jetzigen Wirtschaftskrise den Sozialstaat durch Rettungspakete überlaste und der nächsten Generation ein kaum zu tragendes Schuldenproblem weiterreiche.

In der Franziskanerkirche in der Wiener Innenstadt fand eine Diskussionsrunde zum Thema Kirchenaustritt statt, bei der Wissenschaftsminister Johannes Hahn bekannte, Ende der 1980er Jahre wegen einer beträchtlichen Kirchenbeitragsvorschreibung aus der Kirche ausgetreten zu sein. Mittlerweile fühle er sich in der Kirche wieder wohl, und Strukturdebatten tangierten ihn kaum. Der Sprecher der Laienbewegung „Wir sind Kirche“, Hans Peter Hurka, berichtete, dass die Plattform wegen der jüngsten Aufregung um den Kirchenkurs ein Treuhandkonto eingerichtet hätte, auf dem Austrittswillige ihren Kirchenbeitrag „parken“ können, um ihren Unmut zu bekunden. Pfarrerin Elisabeth Kluge beobachtet heute die verbreitete Mentalität, nach dem zu fragen, „was mir die Kirche bringt“. Neben dem Solidaritätsschwund gebe es auch einen deutlichen Mangel an Ansprechbarkeit für Transzendenz, die letztlich zur Distanzierung von den Kirchen führe.

Besucherrekorde auch in den Bundesländern

Auch erste Zahlen aus den Bundesländern brachten teils Besucherrekorde: Mit 18.000 Besuchern schaffte man in Salzburg eine Steigerung um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr, 3000 Menschen nahmen allein am ökumenischen Gottesdienst im Dom teil. Rund 45.000 bis 50.000 Besucher wurden in Oberösterreich gezählt, auch in der Steiermark kamen laut Organisatoren rund 45.000 Personen in die Kirchen, die rund 500 Stunden Programm zwischen Bad Aussee bis Radkersburg boten. Eine Steigerung um gut 15 Prozent vermeldete das Burgenland, wo rund 17.000 Besucher zur „Langen Nacht“ strömten. Geschätzte 22.000 Menschen nutzten das Angebot in Tirol. Insgesamt konnten mehr als 3000 Einzelveranstaltungen besucht werden. Mitgemacht haben in Tirol die katholische und die evangelische Kirche sowie die serbisch-orthodoxe Gemeinde in der Landeshauptstadt. Auftakt war ein ökumenischer Gottesdienst im Innsbrucker Dom. In Niederösterreich war erstmals die Evangelisch-methodistische Kirche mit dabei. Insgesamt sei auch die heuer wieder die „Lange Nacht der Kirchen“ eine „Erfolgsgeschichte“ und Zeichen der „hervorragend“ funktionierenden Ökumene, meinte der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland, der gemeinsam mit dem Altabt von Geras, Joachim Angerer, und dem früheren reformierten Landessuperintendenten Peter Karner ein Kabarett darbot.

ISSN 2222-2464