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20 Jahre offene Grenzen: Evangelischer Festgottesdienst als Höhepunkt der Jubiläumsfeiern

Bayerischer Landesbischof Friedrich: „Bis an die Grenzen gehen und darüber hinaus“

Sopron (epd Ö) – Mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel feierten am 5. Juli protestantische Kirchen aus Europa in der Sopronpuszta, jenem Ort, an dem vor 20 Jahren das „Paneuropäische Picknick“ stattgefunden hat, den Fall des „Eisernen Vorhangs“. Das „Paneuropäische Picknick“, bei dem Ungarn zum ersten Mal für drei Stunden die Grenze zwischen Ost und West öffnete, gilt als Auslöser für dieses historische Ereignis. Die lutherischen, reformierten und methodistischen Kirchen aus Bayern, Ungarn und Österreich beendeten damit die dreitägigen Jubiläumsfeierlichkeiten rund um Sopron, die unter dem Motto standen: „An die Grenzen gehen – 20 Jahre Grenzöffnung“.

Der Gottesdienst wurde im bayerischen, ungarischen und österreichischen Fernsehen live übertragen, die Predigt hielt Johannes Friedrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst von János Ittzés, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn, József Steinbach, Bischof der Reformierten Kirche in Ungarn, Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, und Pfarrerin Erzsébet Baranyay-Rohn, deren Gemeinde im ungarischen Grenzgebiet liegt.

Friedrich: Zaun ist gebrochen, weil Menschen bis an die Grenzen gingen und darüber hinaus

Der Landesbischof stellte in seiner Predigt die Menschen in den Vordergrund, die damals alle auf ihre Art mitverantwortlich für dieses historische Ereignis waren. „Was vor 20 Jahren geschah, ist nicht die große Tat eines Einzelnen, sondern ein Mosaik aus verschiedenen Beiträgen.“ Weiters appellierte Friedrich an die Menschen, dass man auch heute noch an die Grenzen gehen müsse, da es momentan noch viel zu viele nicht überwundene Grenzen gebe: „Diese Grenzen sind vielleicht nicht alle physisch vorhanden. Probleme wie die Kluft zwischen Arm und Reich, Misstrauen und Ausgrenzung, Menschenhandel und Zwangsprostitution sind heute die Grenzen, die es zu überschreiten gilt.“ Friedrich zeigte sich erfreut darüber, dass die Evangelischen Kirchen in Europa sich in der GEKE, der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, zusammengefunden haben, um so mit gutem Beispiel voran in eine grenzenlose Zukunft zu schreiten. Solch eine Zusammenarbeit sei heutzutage besonders vonnöten, da einige Probleme unserer Zeit nur grenzüberschreitend gelöst werden könnten. Die Evangelischen Kirchen feierten dieses Ereignis, das zur Versöhnung und zum Frieden beigetragen habe. Dieser Friede habe einen Namen: Jesus Christus. „Christus ist unser Friede. In Christus sind Zäune der Trennung innerhalb des Volkes Gottes und Zäune der Abgrenzung um das Volk Gottes hinfällig. Der freie Zugang zu Gott steht allen offen.“

Hennefeld: Freiheit meint nicht das Recht des Stärkeren

Im Tagesgebet thematisierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld noch einmal die große Freude, die durch die neu gewonnene Freiheit aufgekommen sei. Zugleich aber mahnte er: „Freiheit heißt nicht das Recht des Stärkeren.“ An dem Gottesdienst nahmen über 250 Menschen aus Ungarn, Österreich und der Schweiz teil. Für den musikalischen Rahmen sorgten das Juventus Konzert Blasorchester Sopron und der Lutheránia Chor, ebenfalls aus Sopron.

ISSN 2222-2464