168 Millionen Kinder müssen weltweit arbeiten

Arbeitende Kinder in den Ziegeleien von Santa Bárbara in Peru. Foto: Christian Herrmanny/Kindernothilfe
Arbeitende Kinder in den Ziegeleien von Santa Bárbara in Peru. Foto: Christian Herrmanny/Kindernothilfe

„Brot für die Welt“ und Kindernothilfe machen auf die Missachtung von Kinderrechten aufmerksam

Wien (epdÖ) – Weltweit müssen rund 168 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren täglich arbeiten, 85 Millionen von ihnen unter unzumutbaren Bedingungen, schätzt die Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ und die Kindernothilfe forderten anlässlich des internationalen Tages gegen Kinderarbeit am 12. Juni mehr Engagement für Kinderrechte.
„Diese Situation ist inakzeptabel – vor allem gesundheitlich, aber auch was die Zukunftschancen der Kinder betrifft“, kritisierte der evangelische Bischof Michael Bünker, Schirmherr von Brot für die Welt, am Freitag, 10. Juni, in einer Aussendung. Bünker fordert wirksame Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit (EZA), um den Rückgang der Kinderarbeit zu beschleunigen. „Österreich darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Unsere Bundesregierung muss endlich die österreichische Entwicklungshilfe auf die versprochenen 0,7 Prozent des BIP anheben, so wie es die Staatengemeinschaft vorsieht“, so Bünker. Aktuell beträgt der Anteil der EZA am BIP in Österreich 0,32 Prozent.
Die Kindernothilfe drängt auch auf eine intensive Bekämpfung ausbeuterischer Kinderarbeit. Es sei die Armut, die Kinder in schwere, ausbeuterische Arbeit zwinge. Das Einkommen der Kinder werde für das tägliche Überleben der Familien benötigt. „Für die Unternehmen sind Kinder als Arbeitskräfte billiger als Erwachsene – und stellen weniger Forderungen“, so das Fazit der Kindernothilfe.
„Wir wissen von Kindern in Indien, die 12 Stunden am Tag in einem Steinbruch arbeiten müssen. Diese Kinder gehen einerseits das Risiko ein, durch Fehlsprengungen oder Steinschlag verletzt zu werden. Andererseits verursacht der Steinstaub Allergien, Hautkrankheiten und tödliche Lungenkrankheiten,“ schildert Dagmar Lassmann, Leiterin von Brot für die Welt, die Lage vieler Kinder in Indien.

Im nordperuanischen Cajamarca, auf 2.700 Metern Höhe mitten in den Anden, leben die meisten Familien in äußerst prekären Verhältnissen. Hier steigt die Anzahl von Kinderarbeitern nach wie vor an – trotz einer allgemein rückläufigen Entwicklung im restlichen Peru. Dass hier Mädchen und Buben in den Ziegeleien, Kalkminen und Steinbrüchen von Santa Bárbara schwer schuften, gehört zum alltäglichen Bild.

Brot für die Welt und Kindernothilfe setzen sich in vielen ihrer Projekte für arbeitende Kinder ein. Ein Beispiel ist der Einsatz der Brot für die Welt-Partner in Indien, der „Bewegung zur Rettung der Kindheit“ (BBA) des Friedensnobelpreisträgers Kailash Satyarthi: Mehr als 75.000 Kinder konnten in den vergangenen 25 Jahren bei Razzien aus den schlimmsten Formen der Kinderarbeit befreit werden. Ein gemeinsames Projekt von Kindernothilfe und dem lokalen Projektpartner IINCAP unterstützt in Peru die Familien dabei, den Teufelskreis von Armut und Kinderarbeit mit Bildung zu durchbrechen. Die Eltern werden geschult, damit sie, beispielsweise in der projekteigenen Bäckerei, höhere Einkommen erzielen und ihre Kinder nicht mehr arbeiten müssen. Die arbeitenden Mädchen und Buben wiederum erhalten Schulunterricht, Förderstunden, Lektionen zu Hygiene und Gesundheit, aber auch Zeit zum Spielen. Um ausreichend Platz für die Aktivitäten mit den Kindern und auch die Schulungen zur Verfügung zu haben, finanziert die Kindernothilfe nun den Bau eines eigenen Zentrums für arbeitende Kinder und ihre Familien in der direkten Nähe zu den Ziegeleien und Lehmgruben.

ISSN 2222-2464