12. März – Superintendent Miklas: „Auch Mitschuld der Kirche beim Namen nennen“

Hirtenbrief an alle steirischen evangelischen Pfarrgemeinden

Graz (epd Ö) – Mit einem Hirtenbrief zum 12. März, dem 70. Jahrestag des Einmarsches der deutschen Truppen in Österreich und des Endes der Ersten Republik, hat sich der steirische Superintendent Mag. Hermann Miklas an seine Gemeinden gewandt.

In dem Hirtenbrief, der am kommenden Sonntag von den evangelischen Kanzeln der Steiermark verlesen werden soll, erinnert Miklas daran, dass sich damals in der Steiermark unter den Repräsentanten der Evangelischen Kirche „viele glühende Verehrer des neuen Regimes“ befunden hätten, „aber vereinzelt auch scharfe Kritiker“ wie etwa die Pfarrer Erwin Kock und Jakob Ernst Koch.

Kaum jemand, so Miklas, habe im März 1938 „das Ausmaß des unvorstellbaren Elends“ erahnen können, „das das so genannte ‚Dritte Reich‘ über Europa, ja über die ganze Welt bringen sollte, insbesondere über die Angehörigen des Gottesvolkes Israel“. Vermutlich aber, so der Superintendent, „wäre damals bereits erkennbar gewesen, dass die meisten Grundsätze dieses Regimes zum Evangelium von Jesus Christus in diametralem Gegensatz standen“. Zwar sei es „nicht unsere Aufgabe, über bestimmte Generationen nachträglich den Stab zu brechen“, es sei „aber sehr wohl angebracht, Schuld beim Namen zu nennen; auch die Mitschuld unserer Kirche“.

Miklas verweist in seinem Hirtenbrief auf das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ und betont: „Es ist uns Heutigen die ständige Aufgabe gestellt, immer wieder zu prüfen, wo wir in unserer Zeit ebenfalls wieder Gefahr laufen, das erste Gebot zu missachten und uns plausibel scheinenden, letztlich aber doch zweifelhaften Werthaltungen kritiklos zu unterwerfen.“ Geboten bleibe „eine gesunde Skepsis gegenüber allem, was verlockend glitzert“, schreibt der Superintendent.

ISSN 2222-2464