100 000 Kerzen für 100 000 KZ-Opfer

„Nacht des Schweigens“ am 7. Mai in Mauthausen

Wien (epd Ö) – In der „Nacht des Schweigens“ am 7. Mai sollen ab 21 Uhr im Gedenken an die 100 000 Menschen, die im KZ Mauthausen und seinen Nebenlagern ermordet wurden, 100 000 Kerzen entzündet – und geschwiegen werden, kündigte der Journalist Alfred Worm bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 13. April, in Wien an. Mit dem Innehalten für eine Nacht werde ein bewusster Kontrapunkt zum „Jubiläumsjahr“ 2005 gesetzt, „um daran zu erinnern, dass die Zweite Republik auf den Trümmern des Faschismus mit dem unvergleichlichen Verbrechen des Holocaust gebaut wurde, an dem Österreich und Österreicher keine geringe Mitschuld getragen haben“.

Für den evangelisch-lutherischen Bischof Herwig Sturm ist die „Nacht des Schweigens“ eine angemessene Form, an einem derartigen Ort des Grauens präsent zu sein und sich der damals geschehenen Gewalt und Erniedrigung zu erinnern. Unterstützt wird dieses Projekt auch vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ). Sturm wird im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten gemeinsam mit Kardinal Schönborn und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos einen ökumenischen Gottesdienst in Mauthausen feiern. Im Gedenkjahr dürfen die Licht- und Schattenseiten der Rolle Österreichs in dieser Zeit nicht verschwiegen werden, so der Bischof. Sturm rief bei der Pressekonferenz dazu auf, wachsam gegenüber allen heutigen Formen von Unrecht zu sein. Es gelte das Schweigen vom 7. Mai in die Gegenwart zu holen. Sturm sprach sich in diesem Zusammenhang für eine humane Asylgesetzgebung aus, die geplante Verschärfung sei vor dem Hintergrund der Geschichte unverständlich.

Innenministerin Liese Prokop bekannte sich dazu, all jenen möglichst rasch Asyl zu gewähren, die es auch tatsächlich brauchen. Den „wenigen“, die das Asylrecht missbrauchen, gelte es jedoch mit wirksamen Maßnahmen zu begegnen. Prokop unterstrich die Bedeutung der Bemühungen, gerade junge Österreicher immer wieder an die Geschehnisse der NS-Zeit zu erinnern.

Das Gedenkjahr 2005 solle Anstoß sein, gegen heutige Formen von Diskriminierung und Rassismus aufzutreten, betonte ÖGB-Vizepräsidentin Csörgits. Besondere Unterstützung forderte sie für Migrantinnen, die unabhängig von ihren Männern zu Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis kommen sollten.

Der steirische römisch-katholische Diözesanbischof Egon Kapellari hofft, dass die Jugend durch Veranstaltungen wie jene am 7. Mai ermutigt werde, heutigen Formen von Menschenrechtsverletzungen entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen. Er wolle das Seine dazu beitragen, dass die Katholiken ein Wort Kardinal Christoph Schönborns ratifizieren, wonach Christentum und Antisemitismus unvereinbar sind.

„News“-Chefredakteur Alfred Worm erinnerte an die von ihm mitinitiierte Aktion „A Letter To The Stars“ gegen das Vergessen der Nazi-Verbrechen und vor allem des Holocausts. Mehr als 20.000 Schülerinnen und Schüler hätten sich in diesem größten und erfolgreichsten Forschungsprojekt an österreichischen Schulen mit den Lebensgeschichten von NS-Opfern und Zeitzeugen befasst, ihre Recherchen schriftlich festgehalten, sich engagiert und vielfach Freundschaften geschlossen. Ergebnisse liegen jetzt mit dem Band „A Letter To The Stars. Holocaust – die Überlebenden. Schüler schreiben Geschichte“ vor, der soeben im Verlag „Jugend und Volk“ erschienen ist.

ISSN 2222-2464